Unsere Weinberge werden nach ökologischen Richtlinien (Bioland) bewirtschaftet.
Dies bedeutete für uns jedoch keine Umstellung, da unser Betrieb zu den wenigen der Bundesrepublik gehört, die bereits in der zweiten Generation ökologisch bewirtschaftet
werden.
Mein Vater stellte den Gesamtbetrieb bereits 1955 nach Demeter-Richtlinien um. Aus persönlichen Gründen stellte er 1971 auf biologisch organischen Anbau um und war
maßgeblich an der Gründung des heutigen Verbandes Bioland beteiligt.
Die wesentlichen Unterschiede zur konventionellen Bewirtschaftung liegen im Pflanzenschutz und in der Düngung.
Pflanzenschutzist
auch im ökologischen Weinberg derzeit nicht wegzudenken.
Von
Natur aus
sind die meisten, auf dieser Welt angebauten Kulturreben anfällig
gegen
Pilzkrankheiten, namentlich der echte und der falsche Mehltau.
Im herkömmlichen Weinbau werden hierfür chemische Fungizide
eingesetzt,
die
nicht nur von der Anwendung her problematisch sein können,
sondern
es kann
auch während ihrer Produktion jede Menge Sondermüll
anfallen.
Diese chemischen
Fungizide kommen bei uns selbstverständlich
nicht zum
Einsatz.
Da für den biologischen Anbau praktisch keine wirklich wirksamen Mittel
zur Verfügung
stehen, sondern nur welche, die eine weitere
Verbreitung
bestehender Infektionen
hemmen, müssen auf vielfältige Weise
vorbeugende
Maßnahmen unternommen werden:
- Im Bedarfsfalle wird die Begrünung durch mähen niedrig gehalten oder
- Blätter, die direkt bei den Trauben hängen, werden entfernt.
Kurzum,
alle Maßnahmen, die geeignet sind die Durchlüftung des Weinberges zu
fördern,
sind angebracht. Hierdurch wird erreicht, dass der
Tau morgens
schneller abtrocknen,
bzw. dass die Reben nach Niederschlag
schneller
wieder trocken werden.
Somit wird das
Infektionsrisiko gemindert. Zur
Unterstützung werden die Reben mit Kräuterauszügen, Gesteinsmehlen,
Schwefel und in begrenzter Menge mit Kupfer
behandelt. Eine
weitere
Erfahrung sind neue Rebsorten, die durch Kreuzungszüchtung
resistent
gegen Mehltaukrankheiten sind. Davon haben wir inzwischen vier
verschiedene
Sorten im Anbau. Hier ist in der Regel nur sehr
wenig
Pflanzenschutz erforderlich.
Herbizide zur Unkrautbekämpfung kommen bei uns nicht zum
Einsatz.Stattdessen
erfolgt die Bekämpfung maschinell bzw. wo
es nicht
mit der Maschine geht (z. B.:
direkt um den Stock herum) nach
altem
Stil mit der Hacke.
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Wir verzichten auf Düngung
mit wasserlöslichem Mineraldünger. Die "Ernährung"
der Rebe
erfolgt
nach dem Vorbild der Natur, wo die Pflanzen sich über die Verrottung
absterbender Pflanzenteile, Früchte etc. quasi selbst ernährt.
So wird in Zeiten mit hohem Nährstoffbedarf ein Teil der
intensiven
Begrünung
umgebrochen. Durch die Verrottung der organischen
Masse werden die
Nährstoffe
für die Reben verfügbar. In der Reifezeit
der
Trauben
wäre ein zu reichhaltiges Nährstoffangebot aber nachteilig, da sie
hierdurch anfälliger für Fäulnis werden.
Das nutzen
wir, um
neue Begrünungen gezielt einzusääen. Die
heranwachsenden
Pflanzen nehmen die Nährstoffe aus dem Boden
auf und
binden sie in den Wurzeln
und Grünteilen, bilden also eine
gewünschte
Nährstoffkonkurrenz zur Rebe.
Diese
Begrünung kann dann nach erfolgtem Aufwuchs über Winter und Frühjahr im
kommenden
Jahr wieder in den Boden eingearbeitet werden und der
Kreislauf beginnt
von Neuem.
Ein wichtiger
Vorteil ist, daß die Nährstoffe von den reichlichen
Niederschlägen
im Winter
nicht in das Grundwasser ausgewaschen werden,
sondern im
nächsten Frühjahr wieder
für die Reben zur Verfügung stehen.
Diese
Arbeitsweise ermöglicht uns in weiten Teilen
unserer Flächen
einen
gänzlichen Verzicht auf Düngung!
Dieses Vorgehen hat vielerlei Vorteile: Einerseits wird die
"Monokultur Weinberg"
aufgelockert, andererseits bewirken die
Pflanzen
eine Zunahme des Humus- und Nährstoffgehaltes im Boden. Ein weiterer,
wichtiger Vorteil dieser Begrünung ist,
dass durch die
verschiedenen
Pflanzen Nützlinge, wie etwa Raubmilben,
Schlupfwespen, Florfliegen, Marienkäfer und
viele mehr angesiedelt werden. So kann die Population
der
Schädlinge
auf natürliche Weise in Schach gehalten werden.
Hierfür ist es wichtig, dass die Begrünung vielfältig ist und
es ist
gewährleistet, dass
viele verschiedene Wurzelarten den Boden
intensiv
beleben. Ebenso stehen den
Nützlingen über einen möglichst
langen
Zeitraum der Vegetationszeit viele verschiedene
Blüten zur
Verfügung.
Je nach Standort beinhaltet die Begrünungsmischung fast vierzig
verschiedene Arten.
Sollte dennoch
Nährstoffbedarf bestehen, so erfolgt dies mit
organischem Material
wie z. B. Komposte, tierische und
pflanzliche
Abfälle (Hornspäne, Trester etc.).
Diese
Nährstoffe bedürfen einer Verrottung im Boden, bevor sie
für die
Reben verfügbar
werden. Hierdurch werden die Mikroorganismen
angeregt,
die wir später wieder für
eine sinnvolle Düngung durch
Begrünung
benötigen.
Die
Nährstoffe stehen hier, ganz nach dem Vorbild Natur, erst nach dem
Rotteprozess
zur Verfügung. Dies geschieht ungefähr in der
ähnlichen
Geschwindigkeit, wie sie von
den Wurzeln der Reben aufgenommen
werden
können. Der Vorteil ist, dass keine Nährstoffüberschüsse in das
Grundwasser gelangen (der richtige Zeitpunkt und die
richtige
Menge
vorausgesetzt).